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Ideenrekord und starke Impulse: 16 Projekte setzen neue Transferakzente für Hamburg

Die zwölfte Runde von Calls for Transfer hat einen neuen Rekord aufgestellt: Insgesamt 119 Anträge erreichten uns in der Bewerbungsphase – so viele wie noch nie. Besonders freut uns, dass aus allen antragsberechtigten Hochschulen vielfältige Ideen und Ansätze eingereicht wurden. Das zeigt einmal mehr, dass das Innovations- und Transferpotenzial in seiner ganzen fachlichen Vielfalt relevant ist – und genau hier setzt unser Förderprogramm „Calls vor Transfer“ (C4T) an: mit einer Gesamtfördersumme von maximal 35.000 Euro sollen die Ideen, Forschungsansätze und vielversprechenden Kooperationen gefördert werden, die noch ganz am Anfang ihrer Entwicklung stehen. Der Transfer in den jeweiligen Wirkungsbereich ist dabei ein entscheidendes Kriterium – egal ob dies sich in einem Prototyp, einem Ausstellungskonzept oder einer Vorbereitung zu einer wissensbasierten Gründung realisiert. In Call 12 stehen den bewilligten 16 Projekten ab dem 1. Mai sechs Monate Zeit zur Verfügung, ihre Ideen umzusetzen. Ein Blick auf ausgewählte Projekte zeigt die Bandbreite der in dieser Runde geförderten Innovations- und Transfervorhaben.

Neue KI-Ansätze in der Medizin

Im Projekt „KI-gestützter Dokumentations-Copilot für Hebammen in der Geburtshilfe – Prototypen-Entwicklung und Gründungsvorbereitung,“ (UHH) entwickelt das Team um Sophia Cordes einen Assistenzprototypen, der die komplexe Verlaufsdokumentation in der Geburtshilfe automatisiert. Die KI erfasst Beobachtungen in Echtzeit und überführt sie in eine verlässliche Dokumentationslogik – ein entscheidender Schritt in einem Arbeitsbereich mit hohem Zeit- und Dokumentationsdruck. Während der Förderphase werden technische Machbarkeit, erste Pilotanwendungen sowie Markt- und Regulierungsfragen geprüft, um den Weg in eine mögliche Ausgründung vorzubereiten.

Auch in der klinischen Bildgebung zeigt Call 12, wie KI‑Methoden neue Handlungsspielräume eröffnen: Im Projekt „Physik‑informierter KI‑Demonstrator für die Schlaganfalltherapie“ (UKE) entwickeln Dr. Thilo Sentker und M.Sc.Maximilian Nielsen einen Prototyp, der während einer Thrombektomie eine synthetische Referenz der gesunden Gefäßsituation erzeugt. Das Modell kombiniert generative KI mit physiologischen Randbedingungen und bietet erstmals eine individuell berechnete Zielsequenz als Entscheidungshilfe. Damit adressiert das Projekt eine zentrale Lücke der bisherigen Therapie, die stark von visuellen Einschätzungen abhängt.

Nachhaltige Stadt im Fokus

Im Projekt „Gründungsvorbereitung Landschaftslabor urbane Landwirtschaft“ (HCU) entwickeln Prof. Antje Stokman und Lasse Peters die Grundlage für eine dauerhafte Organisationsstruktur, die urbane Landwirtschaft fest in Hamburgs nachhaltige Stadtentwicklung integriert. Das Vorhaben bündelt wissenschaftliche Expertise, Verwaltung, Landwirtschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft in einem gemeinsamen Modell mit dem Ziel, regionale Wertschöpfung zu stärken und ko‑kreative Arbeitsweisen langfristig zu verankern.

Auch das zweite geförderte Stadtentwicklungsprojekt setzt auf vernetzte Zusammenarbeit und praxisnahe Modelle für eine resiliente Stadt. In „Klimaanpassung transformativ hoch drei: Quantitative Szenarien für die Praxis – Hamburg nachhaltig, partizipativ“ (UHH) entwickeln Dr. David Greve und Dr. Franziska Hanf erstmals quantitative Zukunftsszenarien, die Klimaanpassung auf Quartiersebene konkret umsetzbar machen. Durch Ko‑Kreations‑Workshops entstehen Maßnahmen, die anschließend mikroskalig modelliert und bewertet werden. Das neue „Transformative Adaptation Modeling Lab | Hamburg“ schafft dafür einen dauerhaften Austauschraum zwischen Planung, Modellierung, Verwaltung und Zivilgesellschaft.

Formen der Teilhabe

Im Projekt „SIGNSCAPE GAME – von der Forschung in die Schule. Eine gebärdensprachliche Lehr- und Lernressource“ (Prof. Dr. Annika Herrmann, UHH) entsteht erstmals ein mobiles Escape Game in Deutscher Gebärdensprache. Das Lernmodul vermittelt naturwissenschaftliche und technische Inhalte spielerisch und barrierefrei. Eine wichtige Neuerung, da bestehende Escape‑Game‑Formate für taube Kinder kaum zugänglich sind. Nach Erprobung an der Elbschule soll SIGNSCAPE dauerhaft im Unterricht eingesetzt werden.

Im Pilotprojekt „HipHop Academy Zertifikat@HfMT“ (HfMT) entwickeln Dr. Benjamin Sprick und Dr. Bilinç Ercan‑Catanzaro ein gemeinsames Programm von Hochschule und HipHop Academy. In Werkstattformaten arbeiten Studierende, Artists und Lehrende zusammen und entwickeln kooperative Lehr‑ und Praxisformate, die urbane HipHop‑Kultur und akademische Lehre verbinden. Die Kooperation schafft ein Modell für kulturellen Austausch, Talentförderung und gesellschaftlichen Impact. Das Projekt nutzt die starke Verankerung der HipHop Academy in der urbanen Szene sowie die vielfältigen künstlerischen und wissenschaftlichen Kompetenzen der HfMT. So entsteht ein wegweisendes Modell für kulturellen Austausch, Talentförderung und gesellschaftlichen Impact, das die Relevanz von HipHop für Hamburgs Kultur- und Bildungslandschaft neu sichtbar macht.

Transfer durch Perspektivwechsel

Das Projekt „Narrative Return: Kollaboratives Filmemachen als multidirektionaler Wissenstransfer mit Maasai‑Gemeinschaften“ (UHH) nutzt kollaboratives Filmemachen, um Perspektiven der Maasai in Debatten um koloniale Sammlungsgüter sichtbar zu machen. Der Film schafft einen Raum, in dem Communities, Museen und Wissenschaft Wissen gemeinsam produzieren und historische wie aktuelle Fragen von Verantwortung, Verlust und kultureller Bedeutung neu verhandeln können. Gerade weil physische Rückgaben vieler Objekte derzeit kaum möglich sind, bietet das Projekt ein gesellschaftlich relevantes Format, das koloniale Machtstrukturen hinterfragt und neue Formen der Teilhabe initiiert.

Ein ähnlicher gesellschaftlicher Wirkungsanspruch prägt auch das zweite Projekt dieses Themenfelds – diesmal mit Fokus auf Medien und Demokratie:
In „Eine Netzwerk-Architektur für das Mindful Media Lab (MML)“ (HfMT) entwickelt Prof. Dr. Barbara Hans ein Netzwerk, das journalistische Resilienz und Pressefreiheit stärkt. Durch die systematische Einbindung von Redaktionen, Ausbildung, Forschung und Verbänden entsteht ein neuer, gemeinsamer Blick auf Belastungen im Journalismus, wie etwa durch Hassrede, politische Delegitimierung oder strukturelle Unsicherheit. Das Projekt schließt zentrale Wissenslücken, entwickelt praxistaugliche Unterstützungsangebote und trägt damit direkt zur Stabilität demokratischer Öffentlichkeit bei.

Neue Technologien in der Blechverarbeitung

Unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Nikola Bursac (TUHH) wird in dem Projekt „AMGS-Blech – Automatisches Mechanisches Greif-System für die Prozesssichere Teileentnahme in der Blechbearbeitung“ ein neuartiges mechanisches Greifsystem, das die Grenzen herkömmlicher Vakuumtechnik überwindet. Durch die Kombination von Aushubmechanik und mechanischer Klemmung können erstmals auch schwere, dicke oder komplex geschnittene Bauteile zuverlässig automatisiert entnommen werden. Das System bricht Micro‑Joints kontrolliert, vermeidet Leckagen und senkt den Programmieraufwand – ein deutlicher Innovationsschub für die industrielle Automatisierung. Ziel ist die technische Validierung und die Erweiterung des Automatisierungsportfolios auf Basis langjähriger Forschung und bestehender Patente.

Während AMGS‑Blech neue Wege für die automatisierte Materialverarbeitung eröffnet, widmet sich das zweite Projekt des Themenfelds ebenfalls einem technologischen Innovationsschritt, diesmal im musikalischen Kontext:

Mit dem Projekt „BrassSense: Low-Cost Echtzeit-Audiofeedback für Blechbläser“unter der LeitungvonProf. Dr. Peter Schulz (HAW Hamburg) entsteht ein kostengünstiges Echtzeit‑Feedbacksystem, das Blechbläser:innen beim Üben unterstützt. Das Gerät analysiert Audioeingänge per FPGA‑basierter Signalverarbeitung und liefert unmittelbare Rückmeldungen zu Intonation, Ansprache und Klangqualität. Damit schließt BrassSense eine Lücke zwischen subjektivem Übegefühl und teuren Studio‑Messsystemen. Ein Demonstrator, standardisierte Testprotokolle und Validierungen mit Musiker:innen sollen die Praxistauglichkeit und Marktrelevanz sichern, insbesondere für Musikschulen und private Anwender:innen.

Das sind die 16 Projekte, die in Call 12 gefördert werden:

2D-Fuel-Scan: 2D-GC-Demonstrator mit industrieller Validierung. Schnelles Screening-Tool für die Produkteigenschaften biogener Kraftstoffe, Svenja Iserloth und Prof. Dr. Anika Sievers (HAW Hamburg)

BrassSense: Low-Cost Echtzeit-Audiofeedback für Blechbläser, Prof. Dr. Peter Schulz (HAW Hamburg)

Gründungsvorbereitung Landschaftslabor urbane Landwirtschaft, Prof. Antje Stokman und Lasse Peters (HCU)

Eine Netzwerk-Architekur für das Mindful Media Lab (MML), Prof. Dr. Barbara Hans (HfMT Hamburg)

HipHop Academy Zertifikat@HfMT, Dr. Benjamin Sprick und Dr. Bilinç Ercan-Catanzaro (HfMT Hamburg)

AMGS-Blech – Automatisches Mechanisches Greif-System für die Prozesssichere Teileentnahme in der Blechbearbeitung, Prof. Dr.-Ing. Nikola Bursac (TUHH)

Additive Fertigung und Nanotechnologie – Zukunftstechnologien für innovative Stahlbaukonstruktionen, Mohsen Falah und Prof. Dr.-Ing. habil. Marcus Rutner (TUHH)

AlgaFlame: Screening und Validierung flammehemmender Inhaltsstoffe aus Algen-Arten für nachhaltige technische Textilien, Dr. Abdelfatah Abomohra (UHH)

Narrative Return: Kollaboratives Filmemachen als multidirektionaler Wissenstransfer mit Maasai-Gemeinschaften, Prof. Dr. Jonas Bens, Dr. Laibor Moko und arjunraj (UHH)

KI-gestützter Dokumentations-Copilot für Hebammen in der Geburtshilfe – Prototypen-Entwicklung und Gründungsvorbereitung, Sophia Cordes (UHH)

Klimaanpassung transformativ hoch drei: Quantitative Szenarien für die Praxis – Hamburg nachhaltig, partizipativ und effizient anpassen, Dr. David Grawe und Dr. Franziska Stefanie Hanf (UHH)

SIGNSCAPE GAME – von der Forschung in die Schule. Eine gebärdensprachliche Lehr- und Lernressource, Prof. Dr. Annika Herrmann(UHH)

Entwicklung und Validierung einer neuartigen Strategie zur tRNA Supplementierung für therapeutische Anwendungen, Dr. Erik Slot, Prof. Dr. Zoya  und Ignatova Vanessa Lewandowski (UHH)

From Lab to Headset: E-Learning- und Implementierungsplattform für VR- und MR-gestützte Psychotherapie, Dr. Franziska Miegel (UKE)

Validierung eines physik-informierten KI-Demonstrators zur prädiktiven Perfusionsbildgebung in der Schlaganfalltherapie, Dr. rer. nat. Thilo Sentker und Maximilian Nielsen (UKE)

FHIRwall: Semantic De-Identification for Trusted Secondary Use of Narrative Clinical Data at Scale, Prof. Dr. rer.nat. René Werner (UKE)

Wir wünschen den geförderten Projekten viel Erfolg!

Hier geht es zur Pressemitteilung der Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung (BWFG).



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