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Prothetik neu denken

Zwischen technologischer Innovation und künstlerischer Reflexion

Bei Calls for Transfer (C4T) begegnen uns immer wieder Fragestellungen, die aus unterschiedlichen fachlichen und methodischen Blickwinkeln entwickelt werden. Besonders spannend wird es, wenn sich dabei verschiedene Perspektiven auf ein gemeinsames Thema eröffnen, denn genau in dieser Interdisziplinarität liegt die Stärke und Offenheit des Förderprogramms. Mit bewusst weit gefassten Ausschreibungen fördern wir interdisziplinäre Zusammenarbeit und ermöglichen neue wissenschaftliche und künstlerische Zugänge zu gesellschaftlich relevanten Fragen.

Wie fruchtbar solche Vielfalt sein kann, zeigt Call 10 am Beispiel der Prothetik. Zwei geförderte Projekte nähern sich derselben Thematik aus völlig verschiedenen Richtungen und machen sichtbar, wie technische Entwicklung und künstlerische Reflexion sich nicht nur ergänzen, sondern gegenseitig bereichern. Ihr Transfer zeigt sich dabei nicht nur in technologischer und ästhetischer Innovation, sondern auch in ihrer gesellschaftlichen Wirkung. Workshops, Präsentationen und performative Formate sensibilisieren die Öffentlichkeit für Fragen von Körperlichkeit, Transhumanismus und Ableismus.

Technische Innovation: OptiMusPro


Das Projekt „OptiMusPro: Optische Muskelkontraktions-Detektion zur zuverlässigen Prothesensteuerung“ unter der Leitung von Prof. Dr. Roman Kusche an der HAW Hamburg entwickelt eine neuartige Methode zur Steuerung von Armprothesen. Ziel ist es, Muskelbewegungen im Unterarm präziser zu erfassen und Prothesen damit intuitiver bedienbar zu machen.
Statt wie üblich auf Elektromyographie zu setzen, die elektrische Aktivität der Muskeln über Elektroden misst und störanfällig sein kann, verfolgt das Projekt einen anderen Ansatz. Mithilfe von Photoplethysmographie wird Infrarotlicht in das Gewebe geleitet und die Veränderung des reflektierten Lichts zur Erkennung von Muskelbewegungen genutzt. Ein flexibles Sensorband kann so unterschiedliche Handbewegungen präzise unterscheiden.
Langfristig könnte diese Technologie nicht nur die Funktionalität und Akzeptanz von Prothesen verbessern, sondern auch neue Anwendungen in der Robotik schaffen. Gleichzeitig wirft sie grundlegende Fragen auf: Wie verändert Technik unser Verständnis des menschlichen Körpers? Und wo verläuft die Grenze zwischen Mensch und Maschine?


Künstlerische Perspektive: EXTENDED BODIES


Diesen Fragen nähert sich das Projekt „EXTENDED BODIES – Body-Awareness durch künstlerische Körpererweiterung“ unter der Leitung von Prof. Alexander Schubert an der HfMT Hamburg aus einer künstlerischen Richtung an. Statt technischer Optimierung steht hier die ästhetische und konzeptionelle Auseinandersetzung im Mittelpunkt. Das Projekt entwickelt Körpererweiterungen, die funktionale und gestalterische Aspekte miteinander verbinden. In Klangperformances werden diese Prothesen zu Ausdrucksträgern, die erfahrbar machen, wie technische Erweiterungen Körper und Wahrnehmung verändern.

Transhumanismus und Ableismus bleiben dabei nicht theoretische Begriffe: Sie werden sinnlich erfahrbar. Öffentliche Veranstaltungen im Juni und Juli 2025 boten Raum für Austausch, Reflexion und die Vorstellung der entwickelten Ansätze. Transhumanismus und Ableismus bleiben dabei nicht theoretische Begriffe. Sie werden sinnlich erfahrbar gemacht: durch innovative Prototypen, die mithilfe von Sensorik, Aktorik und integrierten Musikinstrumenten neue Ausdrucksformen eröffnen und eine Verbindung von Prothetik mit musikalischer und performativer Praxis herstellen. Die Workshops wurden in verschiedenen Formaten von Projektleiter Prof. Alexander Schubert sowie den Musikern Jonathan Shapiro (Schlagzeug) und Leopold Hurth (elektronische Zither) durchgeführt. Öffentliche Veranstaltungen im Juni und Juli 2025 boten Raum für Austausch, Reflexion und die Vorstellung der entwickelten Ansätze.


Beide Projekte verdeutlichen, wie vielfältig Prothetik heute gedacht werden kann. Sie eröffnen neue technische Möglichkeiten und leisten zugleich einen Beitrag zum gesellschaftlichen Diskurs. Indem sie unterschiedliche Perspektiven zusammenführen, zeigen sie, dass Innovation nicht nur im Labor entsteht, sondern ebenso im künstlerischen Experiment und im Dialog mit der Öffentlichkeit . An dieser Schnittstelle knüpft Calls for Transfer an und schafft Räume, in denen genau dieser Transfer zwischen Disziplinen weitergedacht und erprobt werden kann.

Category
Geisteswissenschaften, Gesundheit, Musik, Technologie
Tags
Geisteswissenschaften, HAW Hamburg, HfMT, Wissenstransfer