Moderne biologische Forschung produziert täglich riesige Datenmengen. Doch viele Forschende stehen vor einer grundlegenden Herausforderung: Die Auswertung dieser Daten erfordert oft umfangreiche Programmierkenntnisse und spezialisierte Bioinformatik-Expertise. Was wäre, wenn Künstliche Intelligenz diese Hürde deutlich senken könnte? Genau daran arbeitet das Startup Galagos. Co-Founder und CPO Dr. Michael Hartung berichtet, wie aus universitärer Forschung und mithilfe der Förderung von Calls for Transfer eine marktorientierte Lösung entstand und welche Rolle KI dabei spielt.
Im Rahmen der elften Ausschreibung des Förderprogramms Calls for Transfer entwickelte ein Gründungsteam der Universität Hamburg um Dr. Michael Hartung, Dr. Fernando Delgado Chaves, Alexander Zahn und Professor Dr. Jan Baumbach einen KI-Agenten, der komplexe biologische Datenanalysen einfacher und verständlicher machen soll. Die Idee dahinter: Durch den direkten Zugang zu aktuellen Bioinformatikmethoden können Biolog:innen und Mediziner:innen schneller Hypothesen aufstellen und überprüfen.
Galagos integriert bestehende, etablierte Bioinformatikmethoden und macht ihre Anwendung einfacher und zuverlässiger. Zwar stehen leistungsfähige Analyseverfahren bereits zur Verfügung, ihre Anwendung erfordert jedoch häufig spezialisiertes Fachwissen.
„Jedes Dataset wird anders erhoben und bringt unterschiedliche Verzerrungen mit, die berücksichtigt werden müssen. Der Workflow muss entsprechend angepasst werden, damit die Daten korrekt verarbeitet werden. Dafür braucht es jemanden, der versteht, welche Algorithmen wie angepasst werden müssen, und das ist in der Regel der Bioinformatiker. Biolog:innen konnten das bisher nicht allein leisten.“, erklärt Dr. Michael Hartung.
Genau hier setzt Galagos an. Die Plattform richtet sich nicht nur an Bioinformatiker:innen, sondern an alle Forschenden und ermöglicht ihnen, komplexe Analysen selbst durchzuführen und ihr Fachwissen direkt einzubringen.
Heute arbeitet Galagos bereits mit kleinen und mittelständischen Unternehmen zusammen und baut seine Aktivitäten im B2B-Bereich kontinuierlich aus. Gleichzeitig werden Pilotprojekte mit größeren Unternehmen durchgeführt, um die Anforderungen verschiedener Anwendergruppen besser zu verstehen. Langfristig sieht Dr. Michael Hartung großes Potenzial für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Bioinformatik:
„Aktuell sehen wir viel Entwicklung bei den Technologien selbst, aber das eigentliche Potenzial liegt in der praktischen Anwendung im Arbeitsalltag. Genau hier wollen wir ansetzen und zeigen, wie KI sinnvoll und effizient integriert werden kann.“
Neben der Weiterentwicklung der Technologie setzt das junge Startup deshalb auch auf Wissensvermittlung. Mit Workshops und Schulungsangeboten möchte das Unternehmen Berührungsängste abbauen und Forschende dabei unterstützen, KI-basierte Werkzeuge sicher und gewinnbringend einzusetzen.
Die Entwicklung von Galagos zeigt, wie aus universitärer Forschung ein innovatives und erfolgreiches Unternehmen entstehen kann. Die Calls for Transfer Förderung hat Galagos dabei geholfen, einen ersten Prototypen zu entwickeln, Nutzerfeedback zu sammeln und die Grundlage für eine erfolgreiche Ausgründung zu schaffen. Für Forschende, die selbst über eine Gründungsidee nachdenken, hat Hartung einen klaren Rat:
„Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht. Wichtig ist, einfach anzufangen und sich auf den Prozess einzulassen, auch wenn der Anfang oft unklar und chaotisch ist.“
Galagos ist damit ein Beispiel für das Ziel von Calls for Transfer: Forschungsergebnisse frühzeitig in die Anwendung zu bringen, neue Lösungsansätze zu erproben und den Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu fördern. Aus einer Idee zur Vereinfachung von Datenanalysen ist so ein Unternehmen entstanden, das heute daran arbeitet, die Lücke zwischen Biologie und Bioinformatik zu schließen.